Bio-Gemüsekultur für nachhaltige Genusskultur

Es ist Anfang Juli. Es herrscht ein geschäftiges Treiben auf dem Betrieb von Rathgeb Bio. Erntehelfer kommen vom Feld zurück, Mechaniker arbeiten an den Traktoren und im Verwaltungsgebäude telefonieren die Büro-Mitarbeiter. Einer davon ist Projektleiter Walter Koch. Er hat uns nach Unterstammheim eingeladen und führt uns hinaus zu den Gemüsefeldern. Erste Station: ein Lauchfeld, das hinter einer Pflanzenkläranlage liegt, die das Wasser der Gemüsewaschanlage nebenan auffängt und reinigt.

Neben dem Lauchfeld ist ein gut fünf Meter breiter Streifen Wiese der sogenannte Blühstreifen. Er wird nicht gedüngt, damit der Boden mager wird und sich Blumen ansiedeln können und die Insekten Futter haben, erfahren wir. So wird der Insektenbestand trotz Bewirtschaftung des Bodens hochgehalten. Wir staunen, als wir hören, dass die Blumenvielfalt auf den Blühstreifen von den Zertifizierungsstellen erhoben wird.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Man ahnt es bereits: Biolandbau bedeutet nicht nur viel Arbeit an der frischen Luft, sondern auch viel Bürokratie und das Einhalten von Hunderten von Anforderungen: «Vor zwei Wochen hatten wir Bio-Kontrolleure da», erinnert sich Walter Koch, «zwei Leute, die den ganzen Tag 20 Ordner geprüft haben. Alle Belege und viele kleine Sachen wurden kontrolliert: ob die Jungpflanzen von einem Biobetrieb stammen, ob die richtige Menge Torf bei den Setzlingen verwendet wurde, und dass wir nicht zu viel Nährstoffe aufs Feld führen. Alles muss von uns sauber deklariert werden. Alleine die Zahlen zum Kompost füllen einen ganzen Ordner.» Neben den organischen Handelsdüngern wird nämlich auch eigener Kompost verwendet. Dieser entsteht aus Ernterückständen und Rüstabfällen, die den Weg zu einer Biogasanlage machen und danach zu Kompost zersetzt wieder auf den Feldern ausgebracht werden. Früher hat man Gemüseschnitt auf dem Feld belassen, was auch zu Geruchsbelästigung führte. Heute wird er gesammelt und mehrfach verwertet.

Eine weitere, interne Kontrollinstanz ist die Rathgeb BioLog AG, die alle Abläufe separat kontrolliert. Sie lagert, rüstet, wäscht, verpackt das Gemüse nach Kundenwunsch und liefert es regional sowie überregional aus. So dass jede Ware bis zum Feld zurückverfolgt werden kann. Rathgeb Bio hat etwa 100 Partner-Landwirte. «Das macht die Sache nicht einfacher», lacht Walter Koch.

Walter Koch ist gelernter Gemüsebauer.

Vor 15 Jahren wechselte er von einer staatlichen Beratungsstelle für den Gemüseanbau zu Rathgeb Bio.

 

Bio-Suisse ist unser Standard 

Neben der Düngerfrage ist auch die Schädlingsbekämpfung im Bioanbau ein grosses Thema. In den Gewächshäusern setzt Rathgeb Bio auf Nützlinge, also Parasiten wie Schlupfwespen und Räuber wie Florfliegen und Marienkäferlarven. Auf diese Weise funktioniert der Pflanzenschutz genau wie draussen in der Natur. Die Samen für die Kulturen werden im konventionellen Landbau häufig mit Pilzhemmungsmitteln gebeizt. Das kommt bei Rathgeb Bio nicht infrage. Und Gemüse im Jungpflanzenstadium dürfen maximal 30 Prozent Torf im Substrat aufweisen. Denn für Torf werden oft ökologisch wertvolle Gebiete abgebaut. Diese und weitere Anforderungen regelt zum einen die Schweizer Bioverordnung. Rathgeb Bio orientiert sich an den höheren Standards von Bio-Suisse. Sie schränkt beispielsweise den Pflanzenschutz stärker ein und hat auch Normen für soziale Standards. Koch: «Das führt zu einer extrem hohen Akzeptanz in der Bevölkerung und deshalb erfüllen viele Betriebe nicht nur die staatlichen Anforderungen. Man kommt nicht drum herum, weil die Kunden danach verlangen.» Und Hybridsorten? «Sie sind auch im Bioanbau zugelassen, wenn es keine Alternativen gibt», erklärt Walter Koch. «Alte Gemüsesorten sind im Markt jedoch noch immer ein kleines Segment. Wenn die Nachfrage entsprechend gross wäre, würden wir sie anbieten.»

Teuer, aber nicht zu teuer

Die Erträge im Bio-Gemüseanbau variieren von Gemüse zu Gemüse. Der Ertrag beim Nüsslisalat ist nahezu 100 Prozent im Vergleich zum konventionellen Anbau. Zwiebeln hingegen bringen nur rund 50 Prozent des Ertrags, weil sie sehr empfindlich sind. Der geringere Ertrag ist jedoch nur ein Grund, weshalb Biogemüse mehr kostet. Dazu kommt die weniger intensive Bewirtschaftung das bedeutet weniger Pflanzen pro Feld und der Verzicht auf billige, schnellwirkende Chemiedünger. Der grösste Preistreiber ist aber der Mehraufwand durch die händische Hack- und Jätarbeit. Bei Rathgeb Bio sind es etwa 500 Mitarbeitende, die nicht nur ernten, sondern auch künstliche Unkrautvernichter ersetzen. Walter Koch: «Heute gibt man rund sieben Prozent des Einkommens für die Ernährung aus. Der Kunde kann entscheiden, ob es auch acht Prozent sein dürfen.»

Bio auf Wachstumskurs auch dank Corona

Vor 26 Jahren wurde beim Gemüseproduzenten aus Unterstammheim auf Bio umgestellt. Mit der steigenden Nachfrage nach natürlichem Gemüse – jährlich um mehrere Prozent – ist auch der Betrieb stetig gewachsen. Corona hat im vergangenen Jahr zusätzlich geholfen: Die Grenzen waren zu, es gab keinen Einkaufstourismus und die Schweizer haben mehr zuhause gekocht. 2020 bescherte es den Biobetrieben ein kräftiges Wachstum und einen Marktanteil von 10.8 Prozent. Mit ein Grund, warum Rathgeb Bio sechs Jahre nach dem Zubau in Unterstammheim bereits wieder an seine baulichen Grenzen stösst.

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